Spielplan

Kultur | Petra Rathmanner | aus FALTER 18/01 vom 02.05.2001

Dass Liebe die schönste Kampfzone ist, wusste schon August Strindberg, der mit "Fräulein Julie" die bekannte Todesromanze zwischen einer Gräfin und ihrem Diener geschrieben hat. Regisseur Günter Krämer hat sich was überlegt, um dem verstaubten Einakter Schwung zu geben und ein bisschen Unruhe ins Theater in der Josefstadt zu bringen - was ihm streckenweise auch ganz gut gelingt. Sein Coup ist altbewährt: Durchbrich die vierte Wand, steig aus dem Stück aus und bring ein Stück Realität auf die Bühne. Krämer will mit diesem Verfremdungseffekt erstens sagen, dass Männer und Frauen im Grunde nicht miteinander auskommen können, weil sie immer die falschen Fragen stellen. Zweitens gibt er ein Statement zur aktuellen Theaterdebatte ab, indem er Anja Lais auf der Bühne laut darüber nachdenken lässt, was uns Theater in Zeiten von Reality-TV überhaupt noch erzählen kann. Der Ansatz ist gerade bei einem Stück durchaus angebracht, in dessen Vorrede Strindberg anno 1888 ein Manifest für das naturalistische Theater verfasste, das die Theatergeschichte nachhaltig beeinflusst hat. 2001 geht es Krämer wieder um die Magie des Theaters, er lässt den Kristallluster im Zuschauerraum rauf- und runterfahren und die Schauspieler zum herzerweichenden Zweikampf antreten. Ganz interessant.

Ein Statement möchte auch der kosmos frauen.raum abgeben, und zwar zur aktuellen Gen-Debatte und zur Familienpolitik der Regierung. "Die Mutter, die es nicht gab" zeigt das beängstigende Zukunftsszenario einer "kollektiv amputierten Gesellschaft", in der die Liebe, die Familie und vor allem die Mütter zu einer Angelegenheit von PR-Strategen und Genforschern werden. Die Gesellschaft wird als Mauer dargestellt, die an allen Ecken und Enden ins Schwanken gerät und schließlich effektvoll in sich zusammenfällt. Was dann passiert: Mütter werden zu Eierlegemaschinen und Väter die "Verbindung zur Kreditkarte" - bis der geklonte Nachwuchs sich am Ende gegen die Erzeuger wendet. Nicht uninteressant.


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