Fragen Sie die Aushilfe: Zurückgeblieben

Stadtleben | aus FALTER 18/01 vom 02.05.2001

Hallo, Herr Aushilfe!

Ich war vor kurzem in Wien und hab da mal eine Frage, jeder, dem ich sie stellte, hat nur die Augen verdreht und gähnend abgewunken. Es ist der Satz, den die U-Bahn-Führer sagen, bevor der Zug abfährt, ich verstehe ihn nicht. In Berlin, wo ich wohne, sagen die Fahrer "Zurückbleiben, bitte!", das aber auch noch nicht so lange, früher nur "Zurückbleiben!", und nachdem sich so viele Leute beschwert haben wegen dem unhöflichen Befehl zurückzubleiben, haben die Berliner Verkehrsbetriebe noch das "Bitte" angedockt. Ein einziger Fahrer weigerte sich und wurde deswegen höflicherweise gefeuert.

Wolfgang Müller Sehr geehrter Herr Müller!

Der Grund, warum Ihre Adressaten mit den Augen rollen, wenn Sie mit der Frage angetanzt kommen, liegt darin, dass der unverständliche Satz schon so oft Gegenstandvon müden Witzen war. Das ist in etwa so abgedroschen, so als objemand Marcel Reich-Ranicki nachmacht oder wenn jemand etwas über Thomas Bernhard schreibt und stakkatoartig sich des Wortes "naturgemäß" befleißigt (der Kabarettist Joesi Prokopetz wird in der Gratis-U-Bahn-Gazette, in der er eine regelmäßige Kolumne hat, demnächst ein paar Witze darüber machen, ich wette!).

Unsere Silberpfeilpiloten sind nicht so unhöflich, dass sie im Dienst lallen, nein, sie sind die Elite der so genannten Öffentlichen und geben ihre Instruktionen sogar in Englisch (Weltsprache!) durch, sie lassen sogar unsere zahlreichen ausländischen Gäste nicht im Unklaren über die Frustration der Eintönigkeit ihrer Tätigkeit: "So fed up!" ("Pappsatt!")

Und wenn sie sich abends gemütlich, aber kaputt von dem Knochenjob dem zweifelhaften TV-Genuss des Kaisermühlen-Blueses hingeben, heißt das bei ihnen immer nur: "Ächz, ich bekomm den VIC-Blues."

Schreiben Sie der Aushilfe: rubinomehl@i-one.at


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