Vor 20 Jahren im Falter

....Anfang Mai in Wien war auf einmal eine Menge los: Hausbesetzung, die Eröffnung des "Autonomen Kultur- und Kommunikationszentrums Gassergasse" - und eine Volkszählung gabs auch noch.

Vorwort | aus FALTER 19/01 vom 09.05.2001

Am 1. Mai um 15 Uhr hätte das Kulturzentrum Gassergasse unter feierlicher Anwesenheit der Wiener Polit-Prominenz eröffnet werden sollen; Letztere sagte wegen des Mordes an Stadtrat Nittel ab. Übrig blieben Arbeitsgruppen und Vereine, die sich im Gebäude bereits einquartiert hatten, und die Polizeiblasmusikkapelle, die zur Eröffnung aufspielte.

Am Abend begann ein dreitägiges Fest mit verschiedenen Aktivitäten (Musik, Heuriger, Film, Diskussion). Die Stimmung am Ersten Mai ließ aufgrund des Regens, der teilweise vorhandenen Aggressivität des Publikums, der Kälte und der teilweise noch nicht hergerichteten Räume etwas zu wünschen übrig. Leuten, die Meldungen über die Hausbesetzung durchgeben wollten, wurde im "Punk-Saal" kein Gehör geschenkt.

Stichwort Wien-Religion Am 12. Mai konstituiert sich in der Bundeshauptstadt eine neue Glaubensgemeinschaft: Wiener. Die Voraussetzung für den Eintritt in die neue Sekte ist denkbar einfach: Man braucht, dem Computer nur mitzuteilen, dass man sich als Wiener fühlt - schon ist man einer. Einziges Problem: Womit füllt der gewissenhafte Formularausfüller künftig die Bekenntnis-Spalte? Müssen Wien-Bekenner ohne Bekenntnis z.B. durch ein W.B. ersetzen oder gilt ein o.B. automatisch auch als o.W.B.? Soll ein r.k. oder e.v., der kein W.B. ist, weil er sich als St. Pöltner fühlt, obwohl er in Wien keine Wohnung und keinen Arbeitsplatz findet, o.W.B. oder StP. eintragen? Wird das W.B. eines BMW-Fahrers mit B-Kennzeichen auch am Nummernschild vermerkt? Viele Fragen - wenige Antworten. Unser Tip: "O.B. - damit kein Tag verloren ist!"


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