"Sieben ist hellblau"

Musik. Mit seinen 18 Klavieretüden, die nun in Wien erstmals alle zu hören sein werden, hat György Ligeti eines der spektakulärsten Klavierwerke des 20. Jahrhunderts geschrieben. Mit dem "Falter" sprach der Komponist über den Vorzug der Akustik gegenüber der Elektronik, Barockmusik-Terror und über die Notwendigkeit, auf einem Steinway zu komponieren.

Kultur | Carsten Fastner / Berlin | aus FALTER 19/01 vom 09.05.2001

Das eigentliche Ereignis wird kaum länger als drei Minuten dauern. Seit Jahren warten Fans und Freaks sehnsüchtig darauf, am Freitag ist es endlich so weit: Mit der 18. Klavieretüde hat György Ligeti seinen 1985 begonnenen, dreiteiligen Etüdenzyklus abgeschlossen; mit ihrer Uraufführung durch Pierre-Laurent Aimard wird nun im Konzerthaus eines der wichtigsten Klavierwerke des 20. Jahrhunderts erstmals vollständig zu hören sein.

Während sich etwa John Cage seit Ende der Dreißigerjahre vor allem für die klangliche Erweiterung des Klaviers durch Präparation mit Radiergummis, Schrauben und Holzstöckchen interessierte, beschränkte sich Ligeti stets auf die klassischen Möglichkeiten der 88 Tasten. Dennoch sprengte er mit den Etüden den Rahmen des bisher Dagewesenen - nicht nur im Hinblick auf die technischen Anforderungen. Inspiriert von afrikanischen, mittelalterlichen und südosteuropäischen Polyrhythmen sowie vom Jazz, schrieb Ligeti 18 kurze Stücke, bei denen mehrere rhythmische


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