Ekstasen in Schwarz-Weiß

Film. Der 1963 verstorbene Gustav Machaty galt einst als Skandalfilmer. Eine aus Anlass seines 100. Geburtstages gezeigte Schau bietet die Möglichkeit, das bruchstückhaft erhaltene Werk dieses großen tschechischen Stilisten kennen zu lernen.

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 19/01 vom 09.05.2001

Der Skandal blieb aus. Selbst in der Bundesrepublik vermochte "die Geschichte einer unerfüllten Liebe", die Gustav Machaty in seinem letzten, 1955 nach einem Hör-Zu-Roman gedrehten Film erzählte, niemanden zu erregen. Die zeitgenössische Kritik attestierte "Suchkind 312" lediglich, eine "rührselige Unterhaltung" mit "heuchlerischem moralischem Anspruch" zu sein, obwohl der Regisseur in diesem Film alle diejenigen Figuren und Topoi noch einmal Revue passieren ließ, die ihn einst berühmt gemacht hatten.

Machaty war das, was man einen Erotomanen, aufs Kino bezogen einen "Skandalfilmer" nannte. Die typische Konstellation seiner Filme ist die menage a trois: eine meist blutjunge Frau zwischen zwei Männern, zwischen Pflicht und Neigung. In "Suchkind 312" heißt sie Ursula, ist mit einem ältlichen Oberregierungsrat verheiratet und hat ein Geheimnis: eine uneheliche Tochter, von der Krieg und Flucht sie vor zehn Jahren getrennt hatten. Am selben Tag, an dem sie deren Foto in einer Illustrierten


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