"Ganz Japan ist einsam"

Film. Betrachtet man Takeshi Kitanos "Brother" und Takashi Miikes "Audition" als Parabeln auf den Zustand der japanischen Gesellschaft, dann stehen die Zeichen auf Sturm.

Kultur | Michael Loebenstein | aus FALTER 19/01 vom 09.05.2001

Der Strand, die Skyline der Stadt, sie haben die falsche Farbe. Die Figur mit den hängenden Schultern, im schwarzen Anzug und mit den obligatorischen Sonnenbrillen, ist die gleiche; aber das Licht stimmt eindeutig nicht. Kein Wunder: Takeshi Kitanos "Brother" spielt, bis auf eine längere Exposition und eine kurze Parallelmontage, nicht auf vertrautem japanischen Terrain. Der Gangster Yamamoto (Kitano himself) hat den Pazifik überquert und sich unter der grellen Sonne L.A.s niedergelassen, um dem Tod von Händen der eigenen "Familie" zu entgehen. Die Flucht führt den schweigsamen Japaner zu seinem kleinen Bruder, der sich weniger als braver Auslandsstudent denn als kleiner Crackdealer im untersten Glied der mexikanischen Mafia entpuppt. Ein kurzer Moment des Zögerns, dann tut Yamamoto das, was er am besten kann: Mit grimmiger Nonchalance setzt er dazu an, in Amerika zu etablieren, was er in Japan verloren glaubt: eine "Familie", deren Legitimierung über Leichen geht.

Nach dem fröhlichen


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