Aufgeblättert

Kultur | Martin Droschke | aus FALTER 19/01 vom 09.05.2001

Frauen lesen mehr und bekanntlich anders. Sie verschlingen zum Beispiel Romane einer Bestsellerautorin namens Ingrid Noll und scheinen mehrheitlich übereingekommen zu sein, dass dreistes Verschwörergehabe Zeichen von Emanzipiertheit ist. Und nicht merkwürdig. Als "Selige Witwen" streifen Cora und Maja in Nolls Schmöker Nummer sieben die geistige Hausfrauen- und Mutterrolle ab, um sich selbst zu verwirklichen. So weit, so positiv. Schade nur, dass die Autorin ihren Leserinnen Vorbilder empfiehlt, die jeden Mann an das Blondinchen und Dummchen aus dem Frisiersalon Ete Petete erinnern müssen. Zwei Klischees wollen etwas aus sich machen - alles, nur keine Ehegattinnen. Also entschließen sich diese "Schelminnen", Männern ans Erbe zu gehen und sich die sündteure Villa einer anderen in der Toskana zu erschleichen - inklusive Swimmingpool und leckerem Gärtner, versteht sich. Geht man nach diesem Roman, kriegen Frauen in Sachen "Selbstverwirklichung" wirklich nichts Eigenständiges auf

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