Nüchtern betrachtet: Privileg Ameisenbärenpatenonkelschaft

Kultur, FALTER 19/01 vom 09.05.2001

Um nicht als marschiermuffiger Feierlichkeitsverweigerer dazustehen, zog ich am 1. Mai meine Brüttings mit den roten Schnürsenkeln an. Auf der Straße lief mir denn gleich ein junger Mann mit knallrotem Stecktuch im viel zu warmen Anzug über den Weg. Sollte ich nun gerührt sein, weil es so was noch gibt oder mich über die Aufrechterhaltung anachronistischer Rituale erregen? Ich entschied mich wie stets fürs Erste. Man soll den Trost, der darin liegt, das zu tun, was auch alle anderen tun, nicht gering schätzen. Also begab ich mich mit meiner Tochter in Richtung Abu, des süßen kleinen Elefanten, der genau unter den Bauch seiner Mutter passt. Und wenn schon Zoo, dann gleich richtig: Also löste ich im Mandrill-Haus eine Jahreskarte. Wobei ich mich spontan für den Namen Alfred R. Konitz entschied, denn der 1. Mai dünkte mich just der rechte Tag, um dem Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Österreichs und dem größten lebenden Altsaxophonisten meinen Respekt zu erweisen.

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