Fragen Sie die Aushilfe: Wo laufen Sie denn?

Stadtleben | aus FALTER 19/01 vom 09.05.2001

Liebe Aushilfe Heute beim Zeitunglesen sah ich zum ersten Mal die niedergeschriebene Version der geläufigen Redewendung "unter ferner liefen". Sehr überrascht war ich da, weil bisher immer überzeugt, dass dies bloß eine Abwandlung von "unter den Palmen der Malediven" sei. Wäre inhaltlich ja auch durchaus stimmig gewesen, denn: "Die haben so schlecht abgeschnitten, die hätten ja gleich auf ihren Fernaliven bleiben können." - Woher, bitte schön, kommt das?

Astrid Fischer Sehr geehrte Frau Fischer! Ihre Frage ist leicht zu beantworten, kommt sie doch aus einem Milieu, in dem ich mich als gelernter Stallknecht auf sicherem Tanzboden bewege: dem unserer schnaubendenEinzelhufer mit der fluffigen Mähne, dem Schweif aus Geigenbogenbespannung und dem Pferdegebiss. Diese Tiere, aus denen man eine herrliche Salami machen kann, müssen ihr Geld verdienen, ein Job z.B. ist, dass man sie im Kreis laufen lässt und auf ihren Rücken einen kleinen Mann schnallt. Bei diesen Rennen kommt es meistens vor, dass eines gewinnt. Hinter dem ersten Vieh platzieren sich das zweite, das dritte, irgendwann gehen dem Berichterstatter die Zahlen aus, dann benennt er die restlichen Tiere und sagt: "Ferner liefen: Schnittlauch oder Wolfdietrich Schnurre." Wenn eines in der Rubrik "ferner liefen" lief, dann lief es nicht so spitze, eher stumpf. Wenn es sich häuft, dass unter "ferner liefen" gelaufen wird, dann legt man den Tierchen nahe, sich den Gnadenschuss zu setzen. Aus dem Kadaver kann viel gewonnen werden, erwähnte Wurst, Pferdedecken, Kaugummi, Zaumzeug, den Kopf kann man zum Aalefangen benutzen, das Gebiss gibt prima Klaviertasten her, der Darm wird als Katzendarm umetikettiert und bespannt Violinen, das erklärt auch, dass Veganer so unmusikalisch sind, dass man sie unter "ferner musizierten" labelt.

Schreiben Sie der Aushilfe: rubinomehl@i-one.at


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