Blues 92

Jugoslawien. Während des Milosevic'-Regimes wurde der Belgrader Sender B 92 weltweit als Stimme des demokratischen Serbien gefeiert. Aber was macht ein Widerstandsmedium in Zeiten, in denen der Diktator hinter Schloss und Riegel sitzt?

Klaus Stimeder | Medien | aus FALTER 20/01 vom 16.05.2001

Bis sich Belgrad wieder zu jener südosteuropäischen Metropole mausert, die es einmal war, muss noch viel Wasser die Donau hinunterfließen. Was die Hauptstadt Jugoslawiens im Frühling 2001 von einem anderen beliebigen urbanen Zentrum des Kontinents unterscheidet, sind, Demokratie hin oder her, die Dinge, die man nicht sieht. Am Platz der Republik finden sich keine japanischen Touristen, die mit Hightechkameras vor der Statue des Fürsten Michael, dem Sohn des serbischen Staatsgründers Milos Obrenovic', posieren. Fremdsprachige Stadtpläne sind ebenso rar wie Touristeninformationsbüros. Nur die Filialen diverser westeuropäischer Textilketten und amerikanischer Fast-Food-Restaurants zeugen oberflächlich von einer gewissen, wenn auch zweifelhaften, Normalisierung. Aber Big Macs und Benetton-Pullover gab es auch schon unter Milosevic'.

Jasmina Seferovic' ist sich der Defizite ihrer Geburtsstadt schmerzlich bewusst. Von der Terrasse eines Cafes im Stadtzentrum aus lässt die Journalistin

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