"Bis es Göring gefällt!"

Theater. Ein Jahr nach seinem Wiener Container-Projekt macht Christoph Schlingensief nun Zürich unsicher: Im Schauspielhaus inszenierte er mit echten Nazis "Hamlet"; in einem wochenlangen Vorspiel auf der Straße brachte er die Schweizer gegen sich auf.

Kultur | Stephan Hilpold / Zürich | aus FALTER 20/01 vom 16.05.2001

Zumindest auf der Leserbriefseite sind sich alle einig: Dieser "Möchtegern-Künstler" muss weg. "Das ist eine Frechheit der gröberen Art", erbost sich ein Leser des Boulevardblatts: "Die Arbeitsbewilligung gehört ihm sofort entzogen." In Deutschland solle der Schuft machen, was er wolle, aber doch nicht hier, in unserem schönen Land!

Nein, ausnahmsweise ist damit nicht Österreich gemeint. Geschickt mit Leserbriefen agitierende Zeitungen gibt es auch anderswo: Christoph Schlingensief, der noch vor einem Jahr mit seinem Container-Projekt "Ausländer raus!" halb Österreich erboste, weilt seit Anfang April in der Schweiz. Er inszeniert am Zürcher Schauspielhaus Shakespeares "Hamlet" und führt die eidgenössische Öffentlichkeit an der Leine spazieren. Das Gebell der Köter ist seitdem nicht mehr verstummt.

Schlingensief, der Humortherapeut und Apothekersohn aus Oberhausen, erobert die starren Mauern der Musentempel, indem er einfach durch sie hindurchschreitet. Auch wenn der Provokateur


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