Gestohlene Kindheit

Film. Bahman Ghobadis "Zeit der trunkenen Pferde" ist das gänzlich unsentimentale Porträt des Überlebenskampfes kurdischer Kinder im Iran.

Kultur | Michael Loebenstein | aus FALTER 20/01 vom 16.05.2001

Der stoßweise Atem der Männer gefriert in der eisigen Kälte des verschneiten Gebirgskamms. Rufe, Kommandos, aus nächster Nähe die knatternden Salven eines Maschinengewehrs. Die hektische Handkamera streift von Angst und Kälte gerötete Gesichter, Maultiere, die mit verdrehten Augäpfeln durch den knietiefen Schnee torkeln, Hände und Füße, die wütend nach den Köpfen und Flanken der panischen Tiere schlagen. Dann der Blick aus der Totale. Plötzlich ist es fast still: Winzige Gestalten, die einen Hang hinunterpurzeln, ihrer kostbaren Last nachrutschen, die auf Lkw-Reifen gespannt ihren Weg ins Tal sucht. Bahman Ghobadis "Zeit der trunkenen Pferde" schildert in dokumentarisch anmutenden Episoden den harten Alltag eines kurdischen Dorfes, dessen Bewohner beinahe ausschließlich vom Schmuggel zwischen den einst im Krieg befindlichen Staaten Iran und Irak leben. Pragmatismus des Überlebens, von der Not diktierte Handgriffe und Entscheidungen: Wenn der Winter kommt, schütten die Schmuggler


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