"Folter im guten Sinn"

Musik. Wer froh ist, überlebt zu haben, schaut nicht gerne zurück. Während andere die Achtziger aufwärmen, pflegen Depeche Mode aufgeklärtes Zeitgenossentum.

Kultur | Robert Rotifer | aus FALTER 20/01 vom 16.05.2001

Martin Gore, Songschreiber von Depeche Mode, ist braungebrannt, blondgelockt, sieht perfekt aus. Seine Zähne sind irgendwie weißer als echt (er lispelt neuerdings), Erkennungszeichen eines Mannes, der für gewöhnlich in Santa Barbara residiert. Nun sitzt Gore auf dem Himmelbett des luxuriösen Boudoirs eines Londoner Clubhauses, neben ihm gibt Bandkollege Andy Fletcher launige Geschichten über gescheiterte Konkurrenten vergangener Zeiten zum Besten: "Neulich bin ich Dave Ball von Soft Cell in einem kleinen Pub in Marylebone über den Weg gelaufen. Er war gerade auf dem Weg zu einem Interview über die Achtziger und wollte vorher noch schnell zwei Bier runterstürzen. Diese Stadt ist voll von alten Stars aus den Eighties, die in kleinen Pubs herumhängen", kichert Fletcher. "So wie ich selbst ...", schwächt er ab und torpediert diese Geste der Selbstbescheidung sogleich mit einer spöttischen Referenz an Spandau Ballets Gebrüder Kemp, die heute ihr Dasein als Theaterkomiker (Gary)


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