Befreit den Rathausplatz!

Stadtessay. Der öffentliche Raum in Wien ist ver- und zugestellt oder in Reservate verbannt. Die neue Stadtregierung sollte die Chance nützen, die Sozialdemokratie vom Odeur der Kunstspießbürgerlichkeit zu befreien.

Kultur | Jan Tabor | aus FALTER 20/01 vom 16.05.2001

Rudi, räum auf! Das Leiden der Wiener öffentlichen Räume am Horror-vacui-Syndrom ist kaum noch zu ertragen. Jetzt kann es nur besser werden. Der Frühling ist da und mit ihm das atavistische Putzbedürfnis, und auch eine zart getönte Morgenröte zeichnet sich am politischen Horizont Wiens ab.

Die beiden neuen Stadträte, Andreas Mailath-Pokorny für die Kultur und Rudolf Schicker für Stadtplanung, beide, wie man hört, aufrechte Sozialdemokraten, werden wohl die Gunst der Jahreszeit zu nutzen wissen und ihrer Partei einen unerlässlichen Dienst erweisen: Sie könnten es schaffen, die Sozialdemokraten von ihrem unverwüstlichen Kunstspießbürger-Image zu befreien. Sie sollen den kulturpolitischen Dienst an ihrer Partei damit beginnen, dass sie die öffentlichen Räume radikal befreien, indem sie diese wirklich öffentlich machen. Ungeheure Abwehrkräfte wären gegen eine mutige Entkitschung des öffentlichen Raumes in Wien mobilisierbar. Man soll dabei radikal denken und alles in Frage


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