Aufgeblättert

Kultur | Martin Droschke | aus FALTER 20/01 vom 16.05.2001

Hündische Unterwürfigkeit und vorauseilender Gehorsam gehören dem slowenischen Schriftsteller Drago Jancar zufolge zu den zentralen Triebfedern in der Geschichte seiner Heimat. Ein Satz von Erzherzog Ferdinand Max genügt, und ein biederer Maurer mutiert in der Titelgeschichte des Erzählungsbands "Die Erscheinung von Rovenska" zum Völkermörder, zieht blutlüstern durch Mexiko, dass es selbst seinem Habsburger Herren übel wird. Vom Mittelalter bis in die rote Epoche reichen die Beispiele, die der in den Siebzigerjahren als Oppositioneller inhaftierte Autor erzählt, um nationale Lügen und Mythen zu korrigieren. Da ist etwa "Die Geschichte von den Augen": Ustascha-Führer Ante Pavelic habe im Zweiten Weltkrieg auf seinem Schreibtisch eine Schale mit Augen getöteter Partisanen stehen gehabt, so die Kriegslegende. Jancar ist sich bewusst, dass seine literarische Korrektur der Historie die Faschisten entlasten wird. Trotzdem, der Wahrheit wegen: Die Schale war eine rein poetische Metapher,


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