Stadtrand: Unscharfer Supermarkt

Stadtleben | aus FALTER 20/01 vom 16.05.2001

Immer nur Pasta, Pizzaschnitten oder irgendwelche labrigen Weckerln essen: Das wird mit der Zeit fad. Deswegen muss am Wochenende ordentlich gekocht werden und zwar zur Abwechslung etwas ganz Exotisches: Etwas wie - Chili. Mit diesen feinen scharfen Chilischoten.

Blöd nur, dass der Lieblings-Merkur in der Geblergasse an diesem Samstag alles hat, nur keine Schoten. Unverdrossen fährt man zum Billa in der Wattgasse, da gibts allerdings auch keine scharfen Dinger. Genausowenig wie beim Billa in der Effingergasse oder bei dem in der Wilheminenstraße. "Was für eine Niederlage", denkt man sich und fährt halt noch, weil es eh schon egal ist, zum Markt Nummer Fünf, dem Merkur in der Paltaufgasse: Dort gibt es sie. Endlich. Frisch paketiert, orange, superscharf.

Erschöpft und zufrieden geht man zur Kassa, wo das Mädchen mit den langen roten Fingernägeln nichts verrechnen kann: weil die Dinger zu den wenigen Produkten gehören, die keinen Strichcode haben. "Schauens halt noch einmal nach", befiehlt sie unwirsch, nein, sie hat den Preis sicher nicht bei sich. Dann schlurft ein gemütlicher Kollege irgendwo nach hinten. Nach einer kleinen Ewigkeit kommt er mit dem Code zurück. Es darf gezahlt werden. Chili kochen macht keinen Spaß. J. O.


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