Äußerst vermessen

Justiz. Am Landesgericht Linz wurde das Alter eines Jugendlichen aus Afrika festgestellt, ohne mit dem Angeklagten zu sprechen. Stattdessen bediente man sich eines Handwurzelröntgens, obwohl das verboten ist.

Politik | Nina Horaczek | aus FALTER 21/01 vom 23.05.2001

Piran K. musste vor kurzem zum Arzt. Der afrikanische Asylsuchende hatte in einem Gerichtsverfahren angegeben, erst 16 Jahre alt zu sein, und dies wollte ihm die Untersuchungsrichterin nicht glauben. Deshalb musste er seine "Nichtarbeitshand" in den Röntgenapparat legen. Heraus kam ein dreizehn Zeilen umfassendes Gutachten des Gerichtsmediziners Robert Lamprecht mit dem Schluss, dass "Herr K. sicherlich nicht als Jugendlicher nach juristischer Diktion gelten kann, er ist mit absoluter Sicherheit älter als 18 Jahre und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch signifikant älter als 19 Jahre".

Die Auswirkungen eines solchen Gutachtens können dramatisch sein: Wer das 19. Lebensjahr überschritten hat, fällt nicht mehr unter das Jugendstrafrecht und hat dadurch mit schwer wiegenden Konsequenzen zu rechnen: doppelter Strafdrohung, härteren Haftbedingungen und schlechteren Chancen auf frühzeitige Entlassung.

Ein ausführliches Gespräch hat Lamprecht mit Piran K. nicht geführt,


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