Hammer, Sichel, Kugeln

Literatur. In seinem Roman-Erstling erzählt Catalin Dorian Florescu sehr anmutig von den stickigen Gemeindebauten Temesvars und den Kugeln unter den T-Shirts der Mädchen.

Kultur | Martin Amanshauser | aus FALTER 21/01 vom 23.05.2001

Ein junger Schweizer, der eigentlich Rumäne ist, schreibt ein Buch über seine Jugend im Realsozialismus und nennt es "Wunderzeit". Klingt nicht besonders spannend - ist es aber. Denn Catalin Dorian Florescu ist einfach ein guter Geschichtenerzähler, dem man gerne zuhört; vor allem, weil er die kindliche Perspektive meisterhaft beherrscht, ohne auf Mark Twain oder Denton Welsh zu schielen. Wenn er die Versuche der Familie Teodorescu beschreibt, das Rumänien Ceaucescus zu verlassen, schlägt Florescu einen lebhaften Tonfall an, artifiziell-naiv, aber nie peinlich. Auf diese Weise wird eine Welt der Lebensmittelengpässe und Schattengeschäfte evoziert, in der ein ganz eigener Umgangston herrscht: Denn die meisten autoritären Systeme produzieren in erster Linie nicht etwa Widerstand, sondern eine sarkastische Spielart von Witz.

Im Rumänien der Siebzigerjahre kann einem allerdings der Witz vergehen, vor allem, wenn man Pläne schmiedet. "Am Tag und außerhalb unserer Wohnung war das Wort


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