Standpunkt: Zum Kotzen

Politik | aus FALTER 22/01 vom 30.05.2001

Man kann zu Gerhard Schröders konspirativem Treffen mit Künstlern stehen, wie man will: Mag sein, dass der deutsche Kanzler, wie er selbst sagte, auch auf Staatsbesuch tun und lassen kann, was er will. Mag auch sein, dass er, indem er den regierungskritischen Kreativen Stunden, seinem Amtskollegen Schüssel aber nur ein mageres Mittagessen widmete,einen diplomatischen Fauxpas lieferte. Wie auch immer, das Benehmen des hohen Besuchs wurde hierzulande von allen Parteien und sämtlichen Medien aufgeregt kommentiert. Doch nur einer hat es mit seiner Kritik an Schröder zu internationalem Augenrollen gebracht: Haiders Generalsekretär fürs Äußere. Peter Sichrovskys Konzept, wie man sich Gehör verschafft, hat sich ja schon oft bewährt. Man nehme eine grausliche Metapher aus der NS-Zeit, unterstelle diese dem Gegner - undschon ist man wieder in der Zeitung. Hier werde jemand gefeiert, schimpfte Sichrovsky über Schröder, "der eine Art hat, die typisch ist für eine Diktatur, das bringt er aus dem Dritten Reich mit". Die Welt, die Süddeutsche und andere Broadsheets zitierten. Herr General, wir gratulieren. Doch langsam wirds fad. Ihren Gegnern unterstellen SieVereinnahmung der Nazi-Gräuel zu politischen Zwecken. Und noch etwas fügen Sie stets hinzu: All das sei "zum Kotzen" . Wie Recht Sie haben. N.W.


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