"Die vermutliche Frau"

Justizirrtum. Polizeilich beeinflusste Zeugen und voreingenommene Polizisten: Wie eine Pensionistin des Raubes verdächtigt und eingesperrt wurde und um ein Haar zu jahrelanger Haft verurteilt worden wäre.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 22/01 vom 30.05.2001

Bitte, schreiben S' nix über die Polizei, was mir Probleme macht", bittet Erna H.1, "ich hab genug gehabt." Ihr Name solle geändert werden, und "bitte, kein Foto!". Nur ihre Geschichte solle in die Zeitung kommen. Denn Erna H. will nicht, dass "irgendeinem armen Würschtl so etwas nochmals passiert". Sie will der Öffentlichkeit zeigen, wie die Polizei in ihrem Fall ermittelt hat. Wie Untersuchungshäftlinge, die noch nicht verurteilt wurden, behandelt werden. "Ohne Anwalt wär ich heut im Gefängnis", sagt Erna H.

Ihr Fall ist auch von politischer Brisanz. Das Justizministerium will in Zukunft Anwälte aus den Wachstuben weisen, wenn dadurch "der Zweck der Ermittlungen gefährdet werden könnte". Im Fall von Erna H. wäre das fatal gewesen.

"Wenn ich heute Poilzeisirenen höre", sagt die Pensionistin und lächelt gequält, "dann stellt es mir alle Haare auf". Eigentlich hatte sie, die pensionierte Arbeiterin, nie etwas gegen die Polizei, arbeitete vierzig Jahre in einer Fabrik und hat


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