Kottan am Apparat!

Überwachung. Durch eine neue EU-Richtlinie sollen Telefonanbieter dazu verpflichtet werden, ihre streng geheimen Kundendateien für die Polizei zu öffnen. Einzelfälle zeigen schon jetzt, wie schnell Unschuldige dadurch in die Mühlen der Justiz geraten können.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 22/01 vom 30.05.2001

Die Polizei gab sich höflich. In einem Brief an die unbescholtene Angestellte Claudia B. schrieb sie: "Wir haben folgende Angelegenheit zu bearbeiten: Verdacht des Suchtmittelhandels." Die "sehr geehrte Frau" möge sich daher ins Sicherheitsbüro begeben, um dort als "Verdächtige" an der Aufklärung mitzuwirken. "Mich hat es fast vom Sessel geworfen", sagt Claudia B., "wieso verdächtigt mich die Polizei plötzlich, eine Drogendealerin zu sein?"

Gute Frage. Man muss etwas ausholen, um die Verwunderung von Claudia B. zu verstehen. Denn die Polizei hatte ihre Daten aus dem EKIS (einem polizeiinternen Datensystem, das zuletzt von freiheitlichen Polizisten für FPÖ-Politiker missbraucht wurde) mit den Daten einer "Rufdatenrückerfassung" abgeglichen. Ergebnis: Sie hat mit einer vermeintlichen Drogendealerin telefoniert. Verdacht: vielleicht, um einen Deal abzuschließen?

Dass die EKIS-Daten falsch waren, Frau B. nie telefoniert hatte und die Dame am anderen Ende der Leitung gar keine Drogendealerin


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