Ohren auf! - Es wird leise

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 22/01 vom 30.05.2001

Ohren diesmal besonders weit auf! Denn es geht um drei neue CDs mit Musik von Salvatore Sciarrino, und der ist ein Mann der sehr, sehr leisen Töne. Feinst gewobene Klangnetze aus flirrenden Tremoli, gehauchten Flageoletts, beinahe stimmlosen Stimmen und schemenhaft angedeuteten Streicherklängen sind längst zum Markenzeichen des 54-jährigen Sizilianers geworden, der gerne - und etwas übertrieben - als Autodidakt präsentiert wird, aber tatsächlich eine weitgehend eigenständige Position unter zeitgenössischen Komponisten einnimmt. Das gilt auch für seinen Hang zu streng symmetrischen Formen und seine Vorliebe für inhaltliche und musikalische Anleihen aus vergangenen Jahrhunderten.

Mit postmodernen Verschnitten a la Nyman und Co. hat Sciarrino freilich nichts am Hut. So reduziert etwa seine Kammeroper "Die tödliche Blume", im Original "Luci mie traditrici" (Kairos/Edel), die barocke Vorlage (Giacinto Cicogninis Drama "Der Verrat aus Ehre" von 1664) auf das Skelett einer Situation.


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