Kunst kurz

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 22/01 vom 30.05.2001

Jeder kennt den wacker trommelnden rosa Plüschhasen von Duracell: In dem Video "Solo" ließ Anna Jermolaewa so ein Karnickel auf das Objektiv ihrer Kamera zulaufen und sich endlos daran reiben. Jetzt tanzen und singen in der Galerie Mezzanin (bis 14.7.) auf gleich vier Bildschirmen lustige Merchandising-Viecherl. Immer wieder halten die im Loop laufenden Videos der aus Russland stammenden Künstlerin kleine, lakonische Szenen von Bewegung fest. Diese geben eine Art von Verspieltheit vor, die sie bei längerem Zusehen jedoch nicht einlösen, sondern eher einer großen Leere Platz machen. Die drollige Aufgeregtheit entpuppt sich als ziel- und beziehungslos. Ein anderes Video zeigt Menschen auf einer Rolltreppe in der St. Petersburger U-Bahn. In scheinbar harmlosen Szenen kombiniert Jermolaewa gekonnt vordergründiges Spektakel mit dem Gefühl von Getriebenheit und Subjektlosigkeit.

Ohne auratischen Nimbus abstrakt zu malen gelingt der 1960 geborenen Amerikanerin Mary Heilmann. Ihren bei der Galerie Meyer Kainer (bis 6.6.) ausgestellten Kompositionen aus unscharf konturierten Quadraten, Kreisen und Streifen gibt sie Titel wie "Scene of the Crime", "Black Dahlia" oder Beinamen wie "Neon Leon"; in einem kürzlich erschienenen Katalog erzählt sie von einer Abtreibung genauso wie von Hochzeit und Tod ihres Freundes Gordon Matta Clark. Ausgerechnet 1968, also zu einem Zeitpunkt, als in Heilmanns Umfeld (Robert Smithson, Dan Graham und Bruce Nauman) die Malerei obsolet wurde, wandte sie sich von ihrer ursprünglichen Disziplin, der Keramik, ab und der Malerei zu. Bezüge auf Persönliches und auf Alltagskultur (sehr wichtig: Musik!) sind hier immer präsent - neben formalen Lösungen, denen die Künstlerin die letzten dreißig Jahre treu blieb. Dabei nützt sie die Symbolik der Farbe und setzt sogar das klassische schwarze Quadrat wie selbstverständlich in eine rosarote Umgebung.


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