Spielplan

Kultur | Karin Cerny | aus FALTER 22/01 vom 30.05.2001

Ein Stück, das auf einem Friedhof spielt, wo es so lustig hergeht, dass gesungen, gezecht, gehurt und allerlei Blasphemie getrieben wird gegen Glaube und Heimat, das ist wie maßgeschneidert für das todesverliebte Wien. "Richards Korkbein" ist zwar in Irland angesiedelt, aber Brendan Behan, der begnadete Säufer und nicht minder begabte Komödiant, der selbst noch viel anarchischer und komischer war als jedes seiner Stücke, hat im Grunde Nestroy-Qualitäten. Er und seine Texte waren so bösartig, dass man sie vorsichtshalber gerne sehr beschwingt inszeniert. Peter Zadek hat Behan mit "Die Geisel" 1961 für den deutschsprachigen Raum entdeckt, 1995 lief das Stück auch an der Burg, sonst war eher Funkstille zwischen Dublin und Wien. In der Scala ist das Fragment "Richards Korkbein" nun als netter gemischter Abend mit vielen Songs zu sehen. Das Ensemble ist mit Spaß bei der Sache, die Zuschauer sitzen zum Teil am Friedhof, und wie immer ist der Abend ein bisschen zu lang, um als wirklich kurzweilig durchzugehen.

Marius von Mayenburg hat sein jüngstes Stück "Parasiten" für Thomas Ostermeiers Schaubühne geschrieben, wo er auch als Dramaturg tätig ist. Beachtlich ist das Stück insofern, als es dem zuwiderläuft, was man an der Schaubühne zum Konzept erhoben hat, nämlich alle Erniedrigten und Beleidigten schrecklich lieb zu haben. Bei Mayenburg wehren sich die Opfer gegen Mitleid im selben Maße, wie sie es ziemlich arschlochmäßig provozieren. Es ist nicht leicht, sie zu mögen, und genau das ist die Qualität dieses Textes, der im Vestibül - dem Abstellraum des Burgtheaters für Autoren, die für die große Bühne noch nicht tot genug sind - in knapp eineinhalb Stunden in einer großen Badewanne vom Blatt herunter gespielt wird. In Dieter Boyers Regie schlägt sich das Ensemble zwar wacker, spielt aber im luftleeren Raum. Woher kommen die überhaupt? Hart auf hart geht es nur im Zuschauerraum, wo man insofern zum Parasiten wird, als es so eng ist, dass man den Nachbarn dauernd anrempelt.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige