Stadtrand: Wiener Zottelviecher

Stadtleben | aus FALTER 22/01 vom 30.05.2001

Dienstag, später Nachmittag, Westbahnhof, warten auf die Straßenbahn. Plötzlich nebeneinander drei Männer in schwarzem Leder, Commando-Boots, langem Haar und den finstersten Augen, in die man je zwischen Fünfhaus und Neubau geblickt hat. Passanten wenden sich ab, Hunde werden von ihren Besitzern fester an die Leine gezurrt. Warten, bis das furchteinflößende Trio passiert hat. Hoffnung auf ein Ende des plötzlichen Spuks, dann die Erkenntnis: Das war nur die Vorhut. Binnen Minuten spült die U-Bahn wahre Legionen langhaariger, schwarzgewandeter Zottelviecher an die Oberfläche. Mit einem Mal ist Wien so anders, wie man es sich nie zu träumen gewagt hat. Die vereinigten Finstermänner, die aus dem Untergrund kommen, streben alle in eine Richtung, sie haben ein Ziel. Aber welches? Dienstag, früher Abend, Straßenbahn zurück Richtung Westbahnhof. Waggon voll von jeanstragenden Vokuhilas, alle Mitte dreißig, alle besoffen bis zum Anschlag. Lockere Unterhaltung über die Rapid-Misere, den gestrigen Vollrausch und das letzte AC/DC-Konzert. Am Ende der Märzstraße ein plötzliches Kommando: Stadthalle! Aussteigen! Und mit einem Mal fallen einem die Schuppen von den Augen: Rammstein. Till Lindemann und Co. rocken Österreich. Mutter!!!!! K.S.


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