Unzucht und Ordnung

Justiz. Langsam dämmert es auch der Justiz: Der umstrittene Paragraph 209, der schwulen Sex mit bis zu fünf Jahren Haft belegt, muss weg. Justizminister Dieter Böhmdorfer ist für eine Beseitigung "selbstverständlich offen". Die ÖVP zaudert noch. Wie lange noch?

Stadtleben | Florian Klenk | aus FALTER 22/01 vom 30.05.2001

Der 33-jährige Tiroler hat eigentlich keine Chance. Ihm drohen fünf Jahre Haft. Denn er trieb "gleichgeschlechtliche Unzucht mit Personen unter achtzehn Jahren". Seine Partner, die freiwillig - ohne Gewalt oder Nötigung - mit ihm sexuell verkehrten, waren sechzehn und siebzehn Jahre alt. Schwuler Sex mit Jugendlichen ist für Erwachsene ein schweres Verbrechen. So sieht es Paragraph 209 des Strafgesetzbuches vor: Freiwillige Liebe - und in den Augen der Strafrichter ist der Tatbestand schon beim "Streicheln der Genitalien in Erregungsabsicht" erfüllt - wird in Österreich genauso streng bestraft wie Vergewaltigung, "Beihilfe zum Selbstmord" oder "absichtliche schwere Körperverletzung".

Der 33-jährige Tiroler hat vielleicht doch noch einen Funken Hoffnung. Es regt sich was. Ausgerechnet im konservativen Tirol, der Heimat des katholischen ÖVP-Klubobmanns Andreas Khol, einem der heftigsten Verteidiger der schwulenfeindlichen Bestimmungen. Die Richter des Oberlandesgerichtes Innsbruck


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