Standpunkt: Haiders Rückzug

Politik | aus FALTER 23/01 vom 06.06.2001

Was ist nur mit Haider los? Vergangene Woche zog er schon wieder eine Klage zurück. Diesmal gegen die Süddeutsche Zeitung, die es gewagt hatte, seine Aussprüche mit jenen Adolf Hitlers zu vergleichen (und dabei auffallende Ähnlichkeiten zwischen beiden entdeckt hatte). Die Woche zuvor hatte er eine Klage gegen Standard-Kolumnist Hans Rauscher zurückgezogen. Der hatte Haider "national-sozialistische" Politik vorgeworfen. Man könnte jetzt annehmen, Haider habe erkannt, dass es einem demokratischen Politiker nicht gut ansteht, Medien serienweise zu verklagen, weil einem deren Meinung nicht passt. Die Realität sieht leider anders aus: Haider hat wichtige Prozesse verloren. Seine Gegner sind, mit umfangreichen Dokumentationen gewappnet, vor Gericht angetreten, um den saloppen Umgang Haiders mit der NS-Zeit zu belegen. Die Justiz ließ sich davon beeindrucken: Der profil-Herausgeber darf Haider "Naziparolen" unterstellen, das ZDF darf ihn einen "politischen Gauner" nennen und Anton Pelinka kann ihm "Verharmlosung des Nationalsozialismus" vorwerfen. Die Gerichte sehen Haiders Geschichtsverständnis nun kritischer. Die Süddeutsche druckte sogar seitenweise Einvernahmeprotokolle ab, die Haiders schwammige Antworten auf harte richterliche Fragen für deutsche Leser offen legten. Haider will sich anscheinend weitere Blamagen ersparen. F. K.


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