Inquisitionsatmosphäre

Essay. Über das Elend der österreichischen Ideologie und die Schwierigkeiten einer jungen Opposition. Montiert zu einer Zeit, in der das österreichische Parlament - wegen des durch die Haider-Schüssel-Koalition wieder offiziell zulässig gemachten Werbens mit Antisemitismus - zu einem konsensuellen Gedenken der NS-Opfer unfähig geworden ist.

Politik | Burghart Schmidt | aus FALTER 23/01 vom 06.06.2001

Warum hat es eine demokratisch-liberale Opposition und die kritische Opposition der Jungen so schwer in Österreich?

Ein Grund liegt - weit zurück - in der erfolgreichen Politik gegenüber den Alliierten, Österreich als erstes Opfer des Dritten Reichs zu etablieren. Weil die Alliierten dieser Politik teilweise auf den Leim gingen, haben sie es mit Österreich nicht so genau genommen und vieles ihm selber überlassen. So wurde nicht die Auflösung des durch die Nazis verwirklichten hohen Verstaatlichungsgrads in der Wirtschaft verlangt. Es wurde auch nicht die Auflösung der ständestaatlichen Strukturen im Kammernsystem verlangt, wie sie der Austrofaschismus eingeführt hatte.

Solche Versäumnisse der Alliierten führten zur - von den erhalten gebliebenen Nazi- und Austrofaschismus-Strukturen ja geradezu aufgedrängten - Proporzpolitik, in der Oppositionsarbeit ständig gelähmt und dann lahm aufgefangen wurde. In solcher Perspektive hat Robert Menasse vollkommen klar gesehen. Nur dass


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