Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 23/01 vom 06.06.2001

Manchmal lacht man, aber man weiß gar nicht, warum. "Ich kann auch so rot werden, dass ich ausschau wie eine Kirsche", sagt ein kleines Mädchen, das auf seinem Stockbett sitzt, die Luft anhalten will, aber sofort losprusten muss. Schauplatz von Nina Kusturicas "Ich bin der neue Star" (1998) ist das Landesjugendheim Hinterbrühl; die "Stars" sind Kinder, die in dem Heim leben. Sie singen und malen, sie tanzen in der Disco oder saugen Staub, sie lachen und verkünden der Welt: Da bin ich, rot wie eine Kirsche, der einmalige Star!

Kusturicas schwereloser Film steht am Beginn der letzten Ausgabe der Sixpack-Reihe Home Stories vor der Sommerpause, die sich unter dem Motto "On the Move" der Kindheit, dem Erwachsenwerden und schließlich dem Frausein widmet. In "balance" (2001) begleitet Ruth Kaaserer drei Teenager durchs sommerliche Wien. Magda, Ewa und Andrea sind Freundinnen: Sie fahren auf den Kahlenberg, hängen gemeinsam am Donaukanal ab, sprechen über ihre Lieblingsmusik, ihre Freundschaft oder darüber, was sie sich von der Zukunft erwarten. Als sie einmal zu dritt vor dem überdimensionierten Globus im Prater stehen, ruft Ewa: "Die Welt gehört uns!"

Der letzte und längste Beitrag des Abends stammt von der englischen Regisseurin Carol Morley. "The Alcohol Years" (2000) ist der Versuch einer filmischen Rekonstruktion ihrer Jugend - von Jahren des Alkoholmissbrauchs und der Amateurprostitution, die Morley vor allem in Manchester zugebracht hat. Resultat ist ein berührendes und bestürzendes Porträt einer Frau, die exzessiv gelebt, gefickt und die Freunde den Freundinnen ausgespannt hat. (Am Mi, 6.6., um 22 Uhr im Filmcasino.)


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