Flieger oder Feldstecher

Sicherheitspolitik. Regierung und Opposition streiten um eine nationale Sicherheitsdoktrin. Die Regierung verrate die Neutralität, schimpft die Opposition. Die Opposition agiere weltfremd, kontert die Regierung. Wer hat Recht? Braucht Österreich noch die Neutralität? Und ist sie überhaupt zu retten?

Politik | Gerald John | aus FALTER 24/01 vom 13.06.2001

Sie haben lange auf diesen Tag hingearbeitet. Vergangenen Donnerstag war es so weit: Der Ernstfall trat ein. Ein unbekanntes Flugobjekt über der Südsteiermark. Das Bundesheer fackelte nicht lange. Zwei Draken stiegen auf und stellten den Flieger: kein feindlicher Eindringling, sondern eine verirrte Militärmaschine des befreundeten Italien, die schließlich unbehelligt weiterfliegen durfte. Flugkörper eindeutig identifiziert, Mission beendet. Manöver erfolgreich. Möglicherweise hätte auch ein Feldstecher gereicht.

Österreichs Bedrohung im 21. Jahrhundert: Nachlässige NATO-Piloten, die den österreichischen Luftraum ankratzen und damit den altersschwachen Draken gelegentlich zu einer Flugstunde verhelfen. Die meiste Zeit parken die Abfangjäger aber im Zeltweger Hangar. Das Land ist von befreundeten Staaten umzingelt, die entweder Mitglied der EU oder NATO sind oder bald sein werden. Die Schweiz ist neutral, Liechtenstein besiegbar. Kein Aggressor weit und breit, also auch kein Grund,


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