Mehr als ein Verdacht

Zeitgeschichte. Margit Reiter analysiert in ihrem neuen Buch das schwierige Verhältnis der österreichischen Linken zu Israel. Die antisemitischen Aussprüche Kreiskys verharmlost sie jedoch.

Politik | Karl Pfeifer | aus FALTER 24/01 vom 13.06.2001

Die Zeitgeschichtlerin Margit Reiter beschreibt in ihrem neuenBuch "Unter Antisemitismus-Verdacht - die österreichische Linke und Israel nach der Shoah" kenntnisreich und detailliert einen wichtigen Bestandteil der österreichischen Nachkriegsgeschichte: Denn das Verhältnis zu Israel erweist sich als ein Indikator für das Geschichts- und Selbstverständnis der österreichischen Linken und ihren Umgang mit dem Nationalsozialismus, dem Antisemitismus (ohne Juden) und der Shoa.

Trotz aller Unterschiede zwischen Sozialisten, Kommunisten, Trotzkisten, Maoisten und was es da noch an Kleingruppen gab waren lange Zeit Antizionismus und eine zuweilen maßlose Kritik an Israel an der Tagesordnung. Einige der im Buch erwähnten Linken haben Karriere gemacht und hätten heute sicher manches lieber nicht gesagt.

Die Autorin schreibt vom "Nahostkonflikt", als ob es nur einen gäbe. Weshalb haben die meisten der von ihr beschriebenen Israel- und Zionismuskritiker zum blutigen Konflikt Irak-Iran geschwiegen?


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