Überfremdungs-Orden

Ehrung. Obersenatsrat Hans-Werner Sokop schrieb antisemitische Reime und lehnte Ansuchen für Aufenthaltsbewilligungen wegen "Überfremdung" ab. Diese Woche wurde ihm von der Republik das Große Silberne Ehrenzeichen verliehen.

Politik | Gerald John | aus FALTER 24/01 vom 13.06.2001

De Leopoidstodt haaßt jetzt so - de Judn ausse. Sads doch froh." Ein rassiger Reim, passend zur Wiener Judenvertreibung 1670. Auch zum Jahr 1682 fällt dem Dichter ein Vers ein: "Der Sonnenkönig is ka Guater, hüft dena Tirkn - so a Luader." Und schließlich, etwas aktueller: "A Protestant, a Jud braucht sein - no? - Aufenthoits-Erlaubnisschein."

Gereimt hat das nicht der Poet der Kronen Zeitung, Wolf Martin, sondern Hans-Werner Sokop. Vor vier Jahren gab der Wiener Beamte anlässlich der Millenniumsfeiern ein Büchlein mit historischen Versen heraus - und wurde dafür, bis in die oberen Etagen des Rathauses hinauf, gescholten. Am Dienstag hingegen wurde Sokop feierlich gewürdigt. Vizebürgermeister Sepp Rieder heftete ihm - nicht aus eigenem Antrieb, sondern im Auftrag der Republik - das "Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich" an die Brust.

Sokops "Verdienste": Als Leiter der Wiener Aufenthaltsbehörde setzte er Ende der Neunzigerjahre das politische Gebot des "sehr restriktiven Ausländerzuzuges" (Ex-SPÖ-Innenminister Karl Schlögl) vorbildlich um. Sokop lehnte Aufenthaltsansuchen vornehmlich türkischer Bürger unter anderem wegen angeblicher mangelnder "Anpassung an europäische Sitten" und "Überfremdung" ab. Zuletztbetrieb der Obersenatsrat für seine Kunden sogar noch Familienplanung: Bewilligungen wurden wegen "beengter Wohnverhältnisse, die sich im Falle von Familienzuwachs noch weiter verschärfen würden", verweigert.

Ende 1998 versetzte Integrationsstadträtin Renate Brauner Sokop schließlich in eine andere Magistratsabteilung. Doch der Staat vergisst offenbar keinen seiner treuen Beamten. Und Wolf Martin kommt vielleicht auch noch dran.


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