Fernsehen

Medien | Armin Thurnher | aus FALTER 24/01 vom 13.06.2001

Der Höhepunkt der Woche auf CNN: "We are just ten minutes away from the scheduled execution." Zehn Minuten routinierten Wechselgewäschs zwischen Leuten, die einander "Gary" und "Colleen" und "Ed" nennen. Zehn Minuten, um die Zeit zu einem Ereignis zu vertreiben, das nie gezeigt wird. Zehn Minuten, in denen Zeugen, Überlebende des Attentats, Verwandte, Sachverständige und Kommentatoren auf- und abtreten. Um die Qual zu steigern, wird verlautbart, es werde etwa zehn Minuten dauern, bis die drei Injektionen in den Körper des Attentäters Timothy McVeigh zu dessen Tod führen würden. Und sie hatten kein Bild davon! Nur Zeugen, die "ihre Gedanken mit den Berichterstattern teilen". Nur Journalisten, die (ausnahmsweise!) schildern, was sie gesehen haben: die Tötung des Terroristen. Dazwischen Werbung und Bilder der Todeszelle, eines umzäunten Ziegelhauses, vor dem zwei weiße Autos parken. 1400 Medienvertreter müssen draußen warten. Die Medien der Welt rächen sie mit einem Schwall von Dauergeschwätz. Nach 22 Minuten meldet"Gary", auf einer grünen Wiese in Terre Haute/Indiana stehend, den Vollzug.


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