Kommentar: Frischer Wind in der Kinokirche

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 24/01 vom 13.06.2001

Leicht möglich, dass eines Tages ganze Generationen von Kinogehern auf das Stichwort "Kino" unwillkürlich mit Speichelfluss reagieren werden, weil ihnen sofort der Popcornduft und die Coke-Kohlensäure in die geistige Nase steigen. Es soll aber niemand sagen, eine kleine österreichische Institution hätte nicht dagegen angekämpft. Fast vier Jahrzehnte lang. Einen immer aussichtsloser werdenden Kampf gegen das falsche und für das gute und wahre Kino.

Ab 1. Jänner 2002 erhält das Filmmuseum mit dem ehemaligen Viennale-Direktor Alexander Horwath einen neuen Leiter. Im Interview (siehe Seite 20) spricht Horwath ironisch von der "Kinokirche in der Albertina". Der in einer gemäßigten Variante von Peter Kubelkas Vorstellung vom "Unsichtbaren Kino" eingerichtete schwarze Saal mit seinen berüchtigten, dem Kinoschlaf ausgesprochen abträglichen Holzklappsitzen ist sichtbarer Ausdruck eines cineastischen Reinheitsgebotes, über das man sich trefflich mokieren kann und das in seinen sakralen


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