Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 24/01 vom 13.06.2001

London, ein überfüllter Bus, zwei junge Männer geraten in Streit. Der eine ist Serbe, der andere Kroate. Beide stammen aus demselben Dorf in Ex-Jugoslawien, und beide finden sich in ein und demselben Krankenhauszimmer wieder. Dort geht ihr erbitterter Streit weiter; er ist Ausgangs-und Schlusspunkt des Films, sein eher verunglückter running gag.

"Beautiful People" wurde bereits 1998 gedreht und ist das Spielfilmdebüt von Jasmin Dizdar, eines aus Bosnien gebürtigen Regisseurs, der in Prag studierte und seit Ende der Achtziger in England lebt. Eine multikulturelle Komödie, so die Zeitschrift Sight & Sound, "deren Vorhaben es ist, Romantik und Politik miteinander zu verheiraten - und zwar im wörtlichen wie auch übertragenen Sinn". Zu diesem Zwecke wird rund ein Dutzend weiterer Hauptfiguren vorgestellt: Griffin, ein drogensüchtiger Fußballrowdy, der irrtümlichmit einer UN-Hilfslieferung über Bosnien abgeworfen wird und mitten im Bürgerkrieg seine Läuterung erfährt; Doktor Mouldy, ein introvertierter englischer Arzt, der eine von Soldaten vergewaltigte Bosnierin mitsamt ihrem soeben zur Welt gebrachten Kind bei sich aufnimmt; ein BBC-Journalist, der nach der Rückkehr zu seiner Familie am "Bosnien-Syndrom" leidet und sich einen Fuß amputieren lassen will; sowie Pero, ein junger bosnischer Flüchtling, der sich in die Tochter eines konservativen Abgeordneten verliebt und bei ihrer Verlobungsfeier vor der versammelten Familie bekennt, als Soldat im Bürgerkrieg zum Mörder geworden zu sein.

Nun ja. "Beautiful People" ist nicht "Gelbe Kirschen", aber sein im Detail angestrebter Realismus verträgt sich nur schlecht mit den vielen (dramaturgisch) erzwungenen Zufällen des Films. Aus der "Hochzeit" ist zwar nichts geworden, aber die Gäste haben sich leidlich unterhalten.


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