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Theater. Einmal im Jahr gibt es einen guten Grund, ins Volkstheater zu gehen. Heuer ist es die Franzobel-Uraufführung "Mayerling".

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 24/01 vom 13.06.2001

Am frühen Morgen des 30. Jänner 1889 drangen aus dem kaiserlichen Jagdschloss in Mayerling zwei Schüsse. In dem von Pulverschmauch erfüllten Schlafgemach des Kronzprinzen Rudolf fand man dessen leblosen Körper und die Leiche einer Baronesse namens Mary Vetsera. Vermutlich hatte Rudolf zuerst Mary und dann sich selbst erschossen.

Weil Kaiser Franz Joseph umgehend alles unternahm, um die allerletzte Eskapade seines Problemsohnes zu vertuschen, liegen die näheren Umstände der Verzweiflungstat bis heute im Dunkeln. Aber weil Franzobel, der im Auftrag des Volkstheaters "Mayerling - Die österreichische Tragödie" geschrieben hat, nicht Rolf Hochhuth ist, geht es ihm in seinem Stück nicht um die Klärung eines Rätsels. Er benützt die k. u. k. Geschichte als Zündkerze für seinen mit einem Gemisch aus Poesie und Witz betriebenen Sprachmotor, der tieftraurige Sätze und derbe Zoten ausspuckt. Franzobels Rudolf ist ein Träumer, der nach Südamerika durchbrennen will ("Wie die Vögel werden


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