Spielplan

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 24/01 vom 13.06.2001

Hubsi Kramar ist ein wunderbarer Querkopf, ein brillanter Aktionist und ein begnadeter Hitler-Darsteller. Als Theaterregisseur neigt er zum Konventionellen. In dem von ihm selbst mit viel Energie betriebenen Kabelwerk hat Kramar jetzt (nicht zum ersten Mal in seiner Regielaufbahn) den Beckett-Klassiker "Warten auf Godot" inszeniert, und es ist erstaunlich, wie wenig ihm zu Stück und Spielort eingefallen ist. Die riesige, mit notdürftig arrangiertem Gerümpel angefüllte Halle ist nur der pittoreske Hintergrund für eine Aufführung, die auch in jedem kleinen Stadttheater unangenehm auffallen würde. Kramars Regiekonzept scheint sich darin zu erschöpfen, drei prominente Kabarettisten engagiert zu haben - die in einer Nicht-Inszenierung wie dieser dann entsprechend verloren wirken: I Stangl (Vladimir), Andreas Vitasek (Estragon) und Karl Ferdinand Kratzl (Pozzo) haben auch im Theater alle schon mal besser ausgeschaut. Godot ist übrigens wieder nicht gekommen.

Voriges Jahr hat Hubsi Kramar im Kabelwerk übrigens auf ganz ähnliche Weise Shakespeares "Hamlet" inszeniert (nur, dass Hauptdarsteller Max Mayer damals einiges gerettet hat). Auch dieses wahrscheinlich meistgespielte Stück überhaupt sollte man nur machen, wenn man wirklich eine gute Idee dazu hat. Der englische Regie-Guru Peter Brook hat sich für seine insgesamt vierte Inszenierung der "Tragedy of Hamlet" vorgenommen, die gesamte Rezeptionsgeschichte beiseite zu lassen und so dem "Geheimnis" des Stücks nahe zu kommen; ein naives Unterfangen, das schon deshalb zum Scheitern verurteilt ist, weil wohl jeder Festwochen-Besucher im MuseumsQuartier sein Hamlet-Bild im Kopf hat und es automatisch mit Brooks Hamlet vergleicht. Keine Interpretation ist auch eine Interpretation, und das ästhetisch betont einfache, politisch extrem korrekte Theater (leerer Raum, multikulturelle Besetzung) des Peter Brook ist auf seine Weise genauso spießig wie die Kammerspiele im Kabelwerk.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige