Fragen Sie Frau Andrea: Wieder da

Stadtleben | aus FALTER 24/01 vom 13.06.2001

Liebe Frau Andrea, ich habe in der Zeitung gelesen, Sie seien in den letzten Wochen gar nicht auf Erholung gewesen, wie ich dachte, sondern hätten klammheimlich einen Film gedreht. Noch dazu in der Ukraine. Stimmt das?

Walter Grobmannseder, Margarethen Lieber Walter, Sie haben recht, ich bin tatsächlich nicht auf der faulen Haut gelegen, sondern habe mit Detlev Buck und Josef Hader die Weltstädte Bratislava, Lviv, Kiev und Odessa bereist. Die meisten dieser Städte liegen in der Ukraine. Die Ukraine ist ein großes Land, dessen fruchtbare Erde überwiegend dazu genutzt wird, Roh-Vodka anzupflanzen. Das Destillat dieser schmackhaften Nachtschattenpflanze wird in kleinen weißen Plastikbechern verkauft und der durstigen Bevölkerung zur Strahlenprophylaxe verabreicht. Die Straßen der großen, von weitläufigen Kastanienallen durchpflügten Metropole Kiev werden von Ladas, Wolgas und einer rapide wachsenden Zahl von dicken Mercedes befahren. Hinter den schwarzen Scheiben dieser direkt aus deutschen Parkhäusern importierten Limousinen sitzenstiernackige Männer in YSL-Anzügen, die nicht so recht an Vodka als Therapeutikum glauben und stattdessen zum Cognac-Abusus neigen. Die Kiever, die sich allesamt als Bewohner des Nabels der Welt wähnen, essen vorwiegend fett und deftig, vor allem Stör am Spieß, panierte, mit Käse im dritten Aggregatzustand gefüllte Hühnerbrüstchen und armdicke Pfannkuchen. Jung und alt hört tagein, tagaus Ukraino-Pop, eine Musik, die sich anhört, als sängen Ivan Lendl und Ivana Trump Melodien von Peter Cornelius. Die Mädchen in Kiev lieben hohe Schuhe und kurze Minikleider, die Burschen Cognac und Mitsubishi-Geländeautos.

Schreiben Sie Frau Andrea: dusl@falter.at;und besuchen Sie: www.geocities.com/Pentagon/4404/


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