Kunst kurz

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 25/01 vom 20.06.2001

Seit Anfang des Monats wehen Fähnchen in Regenbogenfarben auf den Wiener Straßenbahnen, der "queer month" ist aber auch im Ausstellungsprogramm der Stadt nicht zu übersehen. Die Galerie Steinek zeigt neue Fotografien von Matthias Herrmann (bis 27.7.), der sich nicht mehr allein vor der Kamera amüsiert, sondern in gut gebauter Gesellschaft auftritt. Wer sagt, dass in schwarzem Leder nicht geblödelt werden darf? Einer bornierten, verklemmten Gesellschaft lacht man am besten mitten ins Gesicht und benutzt seinen Penis wie ein anderer eine Clownsnase. Herrmann ist neben Herb, Sepp of Vienna, Christian Ofenbauer u.a. auch in der Schau "Art@Pride ZOO." im WUK-Projektraum vertreten (bis 29.6.). Berührende Darstellung und liebevolle Ironisierung homoerotischer Fantasien und transsexueller Lebensentwürfe gehören zum Werk des spanischen Regisseurs Pedro Almodovar. "Ein Autodidakt, der mit seinen Filmen international sehr viel zur Akzeptanz der Queer Community erreicht hat", meint Orlando Pescatore, der die 13 Filme unter dem Titel "Todo sobre Pedro Almodovar" in der Schikaneder-Bar (bis 1.7.) konzeptionell aufbereitet hat.

Die Galerie Ariadne präsentiert die Gruppenschau "Kunst zum Regenbogen" mit Amina Handke, Udo Hohenberger, Stefan Osterider, Lydia Lenzenhofer u.a. (bis 30.6.) und das ambitionierte Plakatprojekt "fe/male", das ab August neben Bildern der großartigen Claude Cahun, der lang vergessenen Pionierin der Zwanzigerjahre, zehn weitere Fotografinnen im öffentlichen Raum ausstellt. Die historische Ausstellung "Aus dem Leben" der HOSI am Heldenplatz (bis 12.7.), die die NS-Verfolgung Homosexueller in Wien dokumentiert, wurde bereits in der Nacht vor ihrer Eröffnung verwüstet. Tätliche Konsequenz eines homophoben Staates: Erst 1971 erklärte Österreich Homosexualität für straffrei; der Paragraph 209 schreibt jedoch bis heute ein (in Europa einzigartiges) Mindestalter für homosexuelle Kontakte von 18 Jahren vor.


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