Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 25/01 vom 20.06.2001

Das ist der Kapitalismus", sagt der pensionierte Polizist düster, "wer auf dem falschen Weg ist, kann nicht mehr zurück." Amancio weiß, wovon er spricht; nicht aber, dass ihm mit seinem Untermieter auch der Räuber gegenübersitzt, der seit Tagen ganz Havanna in Angst und Schrecken hält. "Der Cuba Coup", die jüngste Komödie von Daniel Diaz Torres, erzählt die Geschichte eines deutschen Ganoven (Peter Lohmeyer), der sich nach Kuba abgesetzt hat, sich fortan Björn nennt und als Professor für Literatur aus Göteborg ausgibt. Bei seinen "Geschäften" allerdings kommt ihm nicht nur die Herzlichkeit seiner Gastfamilie zunehmend in die Quere, sondern auch eine in der Hauptstadt stattfindende Schwedische Kulturwoche, bei der neben Filmen von Bergman auch die schwedischen Kronjuwelen ausgestellt werden! (Eröffnungspremiere der Lateinamerikanischen Filmtage im Filmhaus Stöbergasse, am 22.6., 20 Uhr, OmU.)

"Es können doch nicht alle Arschlöcher sein", sagt Marie zu Jeanne, aber die meisten Leute, denen die beiden Autostopperinnen (Clementine Amouroux und Catherine Retore) begegnen, sind es doch. "Messidor" von Alain Tanner entstand 1978/79, der heißen Phase des Schweizer Filmwunders und des Terrorismus in Deutschland: ein Roadmovie um zwei junge Frauen, das als Spiel beginnt, ins Tragische umschlägt, zur Hetzjagd kreuz und quer durch alle Kantone wird. In seinen berauschend schönen, langen Sequenzen vermittelt der Film jenes atemberaubende Gefühl von Freiheit, das seinen Protagonistinnen ständig verwehrt wird ... Ein vergessenes Meisterwerk, zu sehen in der Reihe "Voila du propre! - Frauen räumen auf" (am 23.6., 21 Uhr, und am 25.6., 19 Uhr, OmenglU im Filmhaus-Kino).


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