Ohren Auf! Fiddler on the Groove

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 25/01 vom 20.06.2001

Jazz und Geige? Eine seltsame Liaison. Nach und neben dem Tee-für-zwei-Swing eines Stephane Grapelli gab es da lange Zeit ziemlich wenig, ehe die Violine im Jazzrock wieder ihr Haupt erhob, um dem Langhaarträger elektrisch verstärkt heimzugeigen - wie etwa Jerry Goodman im Mahavishnu Orchestra oder Jean-Luc Ponty.

Den spröden Facetten der Free Jazz-Violine (Ornette Coleman an der Geige, hüstel!) ist auch Mat Manieri zugeneigt. Auf "Trinity" (ECM /Lotus) bleibt er auch gleich mit sich allein und bietet zwischen quälend inszenierten Glissandi, gestischen Einsätzen und flirrenden Dissonanzen alles, was der Freund des kratzbürstigen Saitensounds so braucht. Wer die Cover-Versionen von Coltrane oder Dolphy auf Anhieb erkennt, gewinnt ein Stück Kolophonium. Violininduziertes Knarzen an klarinettesker Naturgeräuschmimesis ist von dem Duo Claudio Puntin (cl, b-cl) und Gerdur Gunnarsdottir (viol, vocal) ebenso zu haben wie ein esoterisch angehauchter Folklore-Minimalismus. "Ylir" (ECM/Lotus)


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