Vor 20 Jahren im Falter

... versuchte a.t. das Mysterium um Andre Heller zu klären, der Hausbesetzer daran gehindert hatte, bei der Premiere von "Flic Flac" ihr Manifest zu verlesen.

Vorwort | aus FALTER 26/01 vom 27.06.2001

Das wunderbarste Kunststück, die größte Dressurleistung des Abends fand gar nicht auf der Bühne statt. Vom Publikum kaum wahrgenommen, sprach es sich bei der Premiere am Montag erst in der Pause herum: Jugendliche Hausbesetzer waren kurz nach Beginn in die Vorhalle der Secession eingedrungen, um die Veranstaltung für ihre Parolen zu nutzen. Maestro Heller selbst trat ihnen als Schlangenbeschwörer entgegen. Und sein Exorzismus wirkte - die Gruppe verließ das Haus. Wie Heller das schaffte? Sein Geheimnis." (R. John im Kurier.)

Seine Geheimnisse sind dazu gemacht, belauscht zu werden. So nimmt es nicht wunder, dass auch wir einen Lauscher und Späher zur Stelle hatten. Er sah und hörte, wie drei vermummte Hausbesetzer auftauchten, denen Heller mitteilte, sie mögen am nächsten Tag wiederkommen. Es sammelten sich nun mehrere Hausbesetzer, Heller mischte sich unter sie (Foto) und teilte ihnen mit, da leider unter anderen Stadtrat Zilk sich im Saal befinde, müsse er, Heller, bei einer etwaigen Besetzung sofort die Polizei holen, sehr sofort und sehr viel Polizei. Daraufhin geschah das erste Wunder: Ein Teil der Hausbesetzer suchte das Weite. Damit gab sich der Wundermann nicht zufrieden. Er versprach den verbliebenen Besetzern öS 15.000,- für Anwaltskosten und sagte ihnen die Vermittlung eines "Club 2" zum Thema Hausbesetzung zu. Und siehe, es vollzog sich ein weiteres Wunder: Der zweite Teil der Hausbesetzer verließ die Secession. Der dritte Teil nahm auf den Stufen Platz.

Exorzismus mit Moneten und Schlangenbeschwörung mit Medienmacht, oder bloß fauler Zauber, für den der Scharlatan bewundert wird, wenn die Leute darauf hereinfallen? Das sind die Wunder der modernen Zeit.


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