Richter für alle

Ausland. Internationale Gerichte kümmern sich in zunehmendem Maß um Verbrechen gegen die Menschlichkeit


Raimund Löw

Vorwort | aus FALTER 26/01 vom 27.06.2001

Nicht mehr ob, sondern wann Slobodan Milosevic' seine Zelle in Den Haag bezieht, ist die Frage. Zehn Monate nach dem Sturz des Mannes, der wie kein anderer in den vergangenen zehn Jahren für Krieg und Vertreibung auf dem Balkan steht, ist die Auslieferung des prominentesten U-Häftlings in Belgrad beschlossene Sache. Hat die jugoslawische Führung sich einmal zur Überstellung Milosevic's nach Den Haag durchgerungen, dann werden wohl bald auch die bosnisch-serbischen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic' und Ratko Mladic' folgen. Noch wird der auf Beschluss des UNO-Sicherheitsrates installierte Gerichtshof von der nationalistischen Öffentlichkeit aller ehemaligen Kriegsparteien heftigst abgelehnt. Aber die postnationalistischen Regierungen sowohl in Zagreb als auch in Belgrad halten an ihrem Kurs der Zusammenarbeit mit Chefanklägerin Carla del Ponte unbeirrbar fest. Fast scheint es so, als ob das Haager Tribunal die Chance hätte, zu einem der Fundamente einer demokratischen Neuordnung

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