Standpunkt: Staats-Operette

Politik | aus FALTER 26/01 vom 27.06.2001

Mehr als ein Jahr nach seinem legendären Auftritt als Hitler beim Opernball hat es der Schauspieler Hubsi Kramar nun amtlich: Seine Protesteinlage gegen dieschwarz-blaue Regierung in der Oper war keine "Störung der öffentlichen Ordnung", wie der unabhängige Verwaltungssenat kürzlich entschied (Protokolle, siehe Seite 12). Neben dem Freispruchbirgt das Urteil aber noch einige andere Grotesken. Es zeigt, wie schwer sich der Staat tut, mit einem Polit-Komödianten wie Kramar umzugehen: Zum einen, weil der Mime den Stapo-Beamten beim Verhör minutenlang vorexerzieren musste, dass er als Hitler die Leute schlecht mit einem "Heil Hitler!"-Gruß, also sich selbst, willkommen heißen konnte.Wie einst Charlie Chaplin in "Der große Diktator" winkelte Kramar die Hand ab, was die Beamten lächerlicherweise penibel ins Protokoll aufnahmen. Zum anderen argumentierte die Verwaltungsbehörde unfreiwillig komisch, was "das Verhalten" des Mimen betrifft: Dieses sei unter anderem "nicht" als "besonders rücksichtslos" zu erachten, "weil im Rahmen einer Faschingsveranstaltung, und um eine solche handelt es sich beim Opernball, der Tatbestand nicht erblickt werden" könne. Eine Staatsoperette mitglücklichem Finale. Das Begleitorchester war aber peinlich. N. W.


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