Wien schreibt andersrum

Schwules Lesebuch. "Männer mag Mann eben" versammelt Romanfragmente, Kurzgeschichten und Lyrik österreichischer Autoren von 1860 bis heute.

Kultur | Karin Cerny | aus FALTER 26/01 vom 27.06.2001

Sie tanzen keine Rundtänze, Monsieur?" "Mit Frauen - niemals, Madame." Wenn es um seine erotische Objektwahl geht, weiß Erich Graf von Sanomir nicht nur genau, was er bevorzugt; er überrascht seine glühende Verehrerin, eine geheimnisvolle russische Fürstin, auch mit seiner ungewöhnlichen Offenherzigkeit. "Der seltsame Jüngling sagte das alles mit der allerunschuldigsten Miene, just als ob es sich von selbst verstünde", staunt die Fürstin, die sich nicht entmutigen lässt und zu einer List greift. Um das Herz des schwulen Grafen doch noch zu gewinnen, verkleidet sie sich als Mann. Der Plan geht auf, Erich fängt Feuer - aber als es zu den nackten Tatsachen kommt, weist er sie entrüstet zurück.

Wir schreiben das Jahr 1868, als Graf Emerich Stadion, der wie sein Held aus österreichischem Uradel stammt, die Erzählung "Leonor" verfasst, die sich wie ein früher schwuler Heftchenroman liest. Damals verstand es sich keineswegs von selbst, mit seiner Homosexualität auf so selbstbewusste


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