Spielplan

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 26/01 vom 27.06.2001

Auch das Österreichische Theater ist nun andersrum: Passend zum Europride-Monat erzählt Robert Quitta in "Winckelmann wird geschlachtet" eine schwule Tragödie: Der deutsche Gelehrte Johann Joachim Winckelmann (1717-1768), der als Begründer der modernen Archäologie gilt, sublimierte seine homoerotischen Begierden in der schwärmerischen Beschreibung idealer Schönheit in den antiken Künsten ("Die schönsten Schönheiten sind mehr beim männlichen denn beim weiblichen Geschlechte"); am Ende wurde er Opfer eines bestialischen, möglicherweise auch sexuell motivierten Raubmords. Soweit die Fakten, auf denen Quittas szenische Installation im klassizistischen Theseustempel basiert: Während Winckelmann (Ronald Kuste) lüstern vier nackte junge Männer umkreist, die als lebende Statuen posieren, demonstriert ein Schlächter (Marko Pustisek) die fachgerechte Filetierung einer Schweinehälfte. Den Zusammenhang muss der Betrachter selbst herstellen: "Winckelmann: Sie haben Wiener Schnitzel aus ihm gemacht", hätte täglich Alles geschrieben. Seltsam nur, wie blutleer eine Aufführung wirken kann, die so viel Fleisch zu bieten hat. Für schwule Erotik ist Robert Quitta vermutlich einfach zu wenig andersrum.

Anders das Berliner Duo Malediva, das bei "Wien ist andersrum" im Europride-Zelt am Schottentor seine heftig umjubelte Österreichpremiere feierte. Tetta Müller und Lo Malinke, vom Veranstalter etwas vollmundig als "garantierter Überwältigungserfolg" angekündigt, sind tatsächlich zwei überaus attraktive, intelligente und charmante Bühnenerscheinungen. Ihr Debütprogramm "große kundsd" ist voll von sagenhaft rauchig bzw. samtweich gesungenen Liedern mit Texten, die immer knapp am großen Kitsch vorbeigehen. Schwachpunkte des Abends sind die wenig originellen Paar-Rivalitäten in den Zwischentexten und die üblichen Scherze, die der Pianist (Florian Ludewig) über sich ergehen lassen muss. Fazit: Überwältigung ist anders, aber Malediva sollten nächstes Jahr trotzdem wieder kommen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige