Streifenweise

Kultur | M.Omasta / M.McKechneay | aus FALTER 26/01 vom 27.06.2001

Ewan McGregor hats nicht leicht. Mit falschem Schnurrbart, runder Fensterglasbrille und Sätzen vom Kaliber "Ach ja, übrigens, mein Name ist James Joyce" wird er von Susan Lynch, der Titeldarstellerin von "Nora", mühelos an die Wand gespielt. Ort des Geschehens ist Dublin, das Jahr 1904, und die Geschichte, die der Hassliebe zwischen dem erfolglosen Nachwuchsautor J. J. und Nora Barnacle, seiner aus ganz einfachen Verhältnissen stammenden zukünftigen Frau: ein literarisches biopic, das sich in "heutigem" Erzählen (über Sex, Eifersucht und Selbstfindung) versucht, aber in der konventionellen Inszenierung der irischen Regisseurin Pat Murphy doch wieder altbacken daherkommt.

"When Brendan met Trudy": Die Namensähnlichkeit dieser irischen Romantic Comedy mit dem allseits bekannten US-Genrekollegen "When Harry met Sally" (1989) ist natürlich kein Zufall. Genauso wenig wie all die anderen szenischen und verbalen Referenzen an "Filmklassiker" oder das, was Drehbuchautor Roddy Doyle ("The Commitments") dafür hält: Die männliche Hauptfigur, Lehrer Brendan (Peter McDonald), ist nämlich ein Filmbuff, dessen Welt wahllos mit Versatzstücken aus John-Wayne-, Nouvelle-Vague- oder Noir-Filmen eingerichtet ist. Trudy, eine Blondine, die Hysterie offenbar mit Lebenslust verwechselt, wirbelt als Love Interest in sein Leben. Auf einmal frischen Mainstream-Zitate Brendans cineastischen Kosmos auf: "Choose life!" wird gefordert, und seine Schüler rufen dem Liebeskranken "Dead Man Walking" nach. Das mit einer Prise irischem Lokalkolorit neu aufgelegte Konzept der "Nackten Kanone" ist hier auf klebrige Weise nett und völlig fad. Und dass Trudy-Darstellerin Flora Montgomery verblüffende Ähnlichkeit mit Meg "Sally" Ryan hat, machts auch nicht besser.


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