Kings, Queens & Ladymen

Musik. Gender-Trouble im Popformat: Die CD-Kompilation "Calling All Kings & Queens" präsentiert die gegenwärtige US-amerikanische Queercore-Szene und erinnert an die alte Erkenntnis "There's more to love than boy meets girl".

Kultur | Gerhard Stöger | aus FALTER 26/01 vom 27.06.2001

Kaia Wilson und Tammy Rae Carland eröffnen die Homepage ihres Labels Mr. Lady (www.mrla dy.com) mit einer schlichten Erklärung: "Wir haben Mr. Lady gegründet, da es in unseren Augen zu wenige Plattenlabels gibt, die von Frauen und/oder Lesben betrieben werden." Daneben steht ein Foto des Paars in klassischem Butch-Styling: schlabberige Herrenanzüge, strenge Frisuren, abgeklärtes Posing. Wilson hält dazu einen Notizblock mit der Aufschrift "Lesbian Music Matters" in der Hand. Die Selbstverständlichkeit, mit der lesbische Frauen hier cool und stylebewusst ihren Platz in der Popkultur nicht nur einfordern, sondern schlicht besetzen, ist relativ neu. Denn während als schwul codierte Subkulturen von Disco über House bis zu bestimmten Synthie-Pop-Szenen längst Teil des Mainstreams sind, blieb weibliche Homosexualität im Pop lange unsichtbar.

Eben dagegen wehrt sich die in der ersten Hälfte der Neunziger im Kontext der feministischen Riot-Grrrl-Bewegung entstandene Queercore-Szene.


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