Kunst Kurz

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 26/01 vom 27.06.2001

Der Begriff "color blind" bedeutet in den USA nicht nur Farbenblindheit, sondern bezeichnet auch eine antirassistische Haltung. Am Eröffnungsabend ihrer Ausstellung trat Elisabeth Penker mit der Band Color Blind auf und sang im gleichnamigen Song davon, wie eine ethnozentristische Kunstgeschichte wütend und traurig macht. Im Kunstbuero (bis 18.7.) ist die dritte Etappe ihres Projekts "Cultural Translation" zu sehen, das aus einer Diskussionsplattform mit Kissen, Matten und Mikro am Boden (für eine kommende Diskussion) und audiovisuellen Aufnahmen (des vorangegangenen Gesprächs) besteht: Vor circa einem Jahr lud Penker Simonetta Ferfoglia von der Künstlergruppe Gangart den Leiter der Laibacher Galerie Skuc Gregor Podnar, den Künstler Cornelius Kolig und Ulli Sturm vom Künstlerhaus Klagenfurt in ein ähnliches Environment ein, um das Fehlen kultureller Übersetzungsprozesse im Kunstbereich zu diskutieren. Die Frage, wie aus ihrem Zusammenhang gerissene Kunst überhaupt noch angemessen wahrgenommen werden kann, stand dabei im Mittelpunkt. Ein Bild indianischer Kunst aus Kanada fungiert in der Ausstellung als Repräsentant all dessen, was den exklusiven Mechanismen des euro-amerikanischen Kunstbetriebs zum Opfer fällt, und thematisiert die implizite Herabwürdigung nichtwestlicher formaler Systeme.

Im Unterschied zu Penkers kritischem Zugang bedient sich Susanne Jirkuff nebenan in der Kunsthalle 8 (bis 18.7.) selbst lustvoll "kultureller Translokationen": Die witzige Videoanimation "Cry" lässt Derrick Tränen vergießen, während er ein Liebeslied von Beastie Boy Money Mark singt, und über allem wölbt sich ein Dach aus an die Wand projizierten Palmen. Horst Tappert goes Pop: Die Kunst bringt auf den Punkt, was Jahrzehnte grauer deutscher Krimis verschleiert haben.


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