stadtrand: Illegale Blütenpracht

Stadtleben | aus FALTER 26/01 vom 27.06.2001

Letzte Woche haben wir geschrieben, dass es in Wien keine "Guerilla Gärtner" gibt, diese Woche haben wir für diese gewagte Aussage gleich eine verbale Ohrfeige von unseren Lesern erhalten. Es gibt sie doch, die illegalen Gärtner, die ohne Genehmigung die Stadt begrünen. Vor allem in Hütteldorf und Baumgarten sind sie unterwegs und bepflanzen am liebsten Gemeindebauten oder Bahndämme. Sie sind gut getarnt: Wer nicht gerade den Nachbarn nächtens mit der Schaufel in der Hand auf dem Weg zur Grünfläche der Gemeinde Wien beobachtet, wird sie kaum erwischen. Denn einer Blume sieht man nicht an, ob sie illegal duftet oder ein behördlich genehmigtes Gewächs ist. Nur die Fichten verraten sie: Denn die werden von der Gemeinde Wien nicht gepflanzt und können somit nur illegal in den Gemeindebau gelangt sein. Dabei fängt oftmals gerade mit der Fichte die subversive Grüntätigkeit an. Denn viele Fauna-Guerilleros verübten ihren ersten Grün-Anschlag mit einem lebenden Christbaum, der dringend einen Platz in Freiheit sucht. Was sie wollen, die illegalen Schrebergärtner? Mehr grün. Revolutionen sind wohl weniger gefragt. Denn wie auch Subcommandante L. - selbst fleißiger Wien-Begrüner - feststellt: "Selten liegen Widerstandsgeist und Spießertum so nahe beieinander wie bei der ,Garten-Guerilla'." N. H.


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